Wasser Prawda im Gespräch Beate Grams

Bluesbea - Unterwegs im Namen des Blues?!

Wenn man im Internet nach Blues-Fotografien sucht, dann kommt man an Deinen Fotos nicht vorbei. Wie bis Du dazu gekommen, bei zahllosen Konzerten zu fotografieren?

Mein Hobby, gute Live-Musik in kleinen Kneipen und Clubs oder Openairfestivalzu hören, fing vor einigen Jahren an. Ich liebe es, den Musikern direkt in die Augen zu sehen, ihre Mimik zu beobachten, den Bass im Körper zu spüren und mit Gleichgesinnten die Seele baumeln zu lassen... Dazu ergab es sich natürlich, das „Erlebte“ in Fotos festzuhalten.

Irgentwann dachte ich aber, ich müßte mich entscheiden – endweder das Konzert in vollen Zügen genießen und ein bißchen „knipsen“ oder fotografieren. Heute weiß ich, beim Fotografieren spüre ich den Blues intensiver und hautnaher denn je, so dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, einfach „nur“ so da zu stehen oder zu sitzen.

Wie viele Konzerte brauchtest Du, bevor Du mit Deinen Fotos wirklich zufrieden warst?
Im meinen Anfangszeiten hatte ich mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn ein Konzertbesuch ist nie gleich, auch wenn es z.B. die gleiche Location ist. „Jedesmal“ ist anders und mit sehr vielen Eindrücken verbunden...die Atmosphäre, Drängeleien vor der Bühne, aber vor allem das Wichtigste in der Fotografie – das Licht – und das ist immer verschieden. Nicht umsonst sagt man, die Konzertfotografie zählt zu den anspruchsvollsten Genres der Fotokunst.

Was macht für Dich eigentlich ein gutes Blues-Foto aus?

Die Frage ist nun, wie kommt der Blues ins Foto? Die Antwort: Man muß einfach zur rechten Zeit am richtigen Platz stehen, was manchmal, wenn‘s voll ist, mit Glück verbunden ist, aber was man auch im Laufe der Jahre lernt...Mein Motto: beobachten, beobachten, beobachten, auf den richtigen Moment warten und dann abdrücken. Das ist alles!
Nach einem Konzertfotosessionabend bin ich oft so erschöpft, als hätte ich selbst auf der Bühne gestanden, denn das ist nicht nur körperliche Arbeit, auch der Geist wird beansprucht.. z.B. mit der Frage, wie setze ich die Künstler am besten in Szene? Und Zuhause dann der spannende Moment...hab ich meinen Auftrag im Namen des Blues erfüllt?
Wenn der Blues im Foto zu hören ist, wenn ein Foto laut oder leise klingt, und die Künstler im Bild lebendig wirken, dann bin ich zufrieden! Aber das gelingt natürlich nicht immer! Dann ist meine Arbeit aber immer noch nicht wirklich beendet, denn ich bearbeite ggf. die Fotos nach, was für ein Foto manchmal ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen kann...wie z.B. bei meinen „My Art – my less is more“ Fotos.

Mit welcher Kamera arbeitest Du eigentlich? Die Zahl der Geräte, die mit den beschränkten Lichtverhältnissen in den meisten Locations fertig wird, dürfte ja so groß nicht sein, oder?

Das ist richtig, zumal ich ausnahmlos ohne Blitz fotografiere. Deshalb habe mich für die Nikon D700 mit Vollformatsensor entschieden.

Du hast in den letzten Jahren eine riesige Anzahl von Konzerten auf Deiner Homepage dokumentiert. Wie sind die Reaktionen der Musiker auf Deine Arbeit?

Es kommen wunderbare Feedbacks, z.B. mit Einträgen in meinem Gästebuch oder aber das I-Tüpfelchen meiner Arbeit ist dann, wenn ich mein Foto auf einem CD-Cover oder einem Poster eines Künstlers wiederfinde.

Hast Du eine Chance, Deine Bilder auch an die Presse zu verkaufen?
Nein

Wir haben für die nächste Ausgabe unseres pdf-Magazins Deine Fotos von Pass Over Blues bei der German Blues Challenge im letzten Jahr. Wie erlebst Du als Fan und Fotografin diese Veranstaltung, die ja immer mal wieder in der Fachpresse kritisiert wird? Ist das wirklich so etwas wie eine „Deutsche Meisterschaft“ im Blues oder eine eigentlich überflüssige Veranstaltung?

Überflüssige Veranstaltung? Ich denke nein, aber das ist eine sehr schwierige Frage, über die oft und viel diskutiert wird. Für mich sind alle teilnehmenden Musiker Gewinner, es gibt meiner Ansicht nach keine Verlierer. Aus der Sicht als Fotografin sehe ich während solchen Veranstaltungen oft einen gewissen Stressfaktor im Ausdruck der Musiker, die ja in einer sehr kurzen Zeit alles geben müssen und somit einem großen Druck ausgesetzt sind.

Wen würdest Du gerne mal im Konzert fotografieren?
Am Liebsten würde ich alle wieder auferstehen lassen...vielleicht John Lee Hooker.

Und bei wem hat Dir das bislang am meisten Spaß gemacht?
Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, das sind die Musiker mit den „vielen Gesichtern“, die mit ihrer Mimik und ihren Emotionen im Ausdruck einem den Finger am Auslöser kleben lassen.

Gerade in den letzten Wochen tauchten auf Deiner Seite verstärkt andere Motive auf: Architektur, Landschaftsaufnahmen und ähnliches. Wie kommt es dazu?
Sollte mal auf der Bluesroad nichts los sein, dann jucksts mich in den Fingern und es müssen andere Motive dran glauben, wie z.B. Landschaftsaufnahmen oder ganz „banale“ Motive, wie z.B. eine Apfelsine, egal, alles was mir vor die Linse gerät.
Dieses wunderbare Hobby gibt mir den gewissen Kick in meinem Leben und den Ausgleich zu meinem Fulltimejob „im wirklichen Leben“, einer anstrengenden Arbeit im Gesundheitswesen. Alles in allem, ohne die Unterstützung meines Lebenspartners wäre mein Hobby zeitlich in dieser Form so nicht möglich.



Zu den Fotos:
Selbstporträt
Bass - aus der Serie „Less Is More“
Roland Beeg (Pass Over Blues) bei der German Blues Challenge 2012 in Eutin
U 995 am Marine-Ehrenmal in Laboe.
Die Fotos von Beate Grams findet man am besten auf ihrer Homepage www.bluesbea.de, die sie unter das passende Motto „Blues Your Soul“ gestellt hat. Aber auch auf CDs von Tim Lothar oder dem German Blues Project kann man Fotos von ihr entdecken.

02/2013